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Traumwunschberge meiner Kindheit

     
    LOSER (1838 m), GRIMMING (2351 m), DACHSTEIN (2996 m) und HOHER (RAURISER) SONNBLICK (3106 m)
     
Ich war damals
vier Jahre alt!
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Alt-Ausseer See mit Loser.
Dr. Stefan Hlawacek
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Ich war damals
vier Jahre alt!
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Alt-Ausseer See mit Loser.
Dr. Stefan Hlawacek
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  1952-01-01 LOSER 1838 m

Mein erster bedeutender Berg !

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  Meinen ersten "bedeutenden" Berg bestieg ich
mit 4 1/2 Jahren von Alt-Aussee aus.
Damals - 1952 - gab es natürlich noch keine Straße
und keinen Sessellift!

Meine Tante "Philli" ging sogar bis zur Loserhütte mit.
Mit meinem Vater stieg ich dann
- begeistert vom herrlichen Dachstein-Blick -
über den Augstsee am "Loser-Fenster" vorbei
bis zum Loser-Gipfel.

Weihnachten 1952 legte mir mein Vater dann ein Tourenbuch an.
Dieses Foto ist das erste,
das er dort hineinklebte.
Und er schrieb darunter:
"Freudig und stolz über Deinen großen Erfolg
lachtest Du mir entgegen!"


Eine Freundin bestätigte mir einmal,
was ich ohnedies weiß:
Nirgends sehe ich so glücklich aus, wie auf einem Berg-Gipfel!

In der ersten Volksschulklasse schrieb ich dann
nachträglich auf die erste Seite dieses Tourenbuches
"IN DIESES BÜCHLEIN KLEIN,
TRAGE JEDE TOUR DIR EIN,
DAMIT DU SPÄTER DANN KANNST LESEN,
WO ÜBERALL DU BIST GEWESEN!"


Mein erster Berg war als Dreijähriger
die "Klesheimwarte" auf dem Pfaffstättner Lindkogel.

Der Loser war auch mein erster Winter-Berg!
Mit elf Jahren stieg ich mit meinem Vater am 1. Jänner 1957
problemlos nochmals von Alt-Aussee
bei - zugegeben - relativ wenig Schnee
zum zweiten Mal auf den Loser-Gipfel.
Die Loserhütte war damals bewirtschaftet!
(Ich habe damals erstmals einen "Jaga-Tee" gekostet.)

     
Mein Vater, ich und Cousin Karl
beim Kartenstudium im Zittelhaus.

Unser Aufstieg begann damals erst um 13 Uhr 30 in Kolm Saigurn.

Wir verliefen uns im einbrechenden Nebel einmal total
und mussten dabei zwei Mal
- also hin und zurück -
mühevoll und gefährlich einen reissenden Wildbach überqueren.

Um 19 Uhr brechen wir weiter von der Rojacher Hütte auf
und sind um 20 Uhr 15
- bei damals einbrechender Dunkelheit -
( Sommerzeit gab`s damals noch nicht)
auf dem Zittelhaus.
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Am 7. Juli 1983
- 30 Jahre nach meiner Erstbesteigung - stehe ich mit meinen Kindern Niki und Stefan
wieder beim Zittelhaus.


KANN EIN VATER
NOCH GLÜCKLICHER AUSSEHEN ?


Wir kamen damals
vom Alten Pocher herauf.

Am Nachmittag ging ich mit Niki
- er war damals erst fünf Jahre alt -
noch zur Goldbergspitze hinüber.
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Zwei alte Ansichtskarten :

Eine Flugaufnahme vom Sonnblick
mit dem Großglockner im Hintergrund.
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"Das Zittelhaus am Hohen Sonnblick"
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Hier noch einige Fotos von meiner ersten Sonnblick-Besteigung :

Im Zittelhaus
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Blick zum Hocharn
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Am nächsten Tag steigen wir zum Alten Pocher
und schließlich nach Heiligenblut ab.

Dabei ergab sich dieser Rückblick
zur höchsten Wetterstation Österreichs.
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So nahe wie damals in Heiligenblut
war ich bisher noch nie
an den Großglockner herangekommen.
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Dies sind
- teilweise auch von meinem Vater -
die Eintragungen in mein allererstes Tourenbuch.
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Damals war es mir noch sehr wichtig,
dieses relative schwere Buch
zu jedem Schutzhaus hinaufzutragen,
um einen Hüttenstempel
direkt ins Tourenbuch hineindrücken zu können.
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7. Juli 1983 :

Der Hohe Sonnblick von der Goldbergspitze.

Niki ging am Aufstiegtag zum Sonnblick
- nun vom Alten Pocher aus -
am Nachmittag noch auf diesen weiteren Gipfel mit,
obwohl er erst fünf Jahre alt war.

Zu unsrer Freude fanden wir bei diesem "Ausflug"
einen kleinen aber feinen Bergkristall.
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Beim Aufstieg vom alten Pocher
nun schon dieser Blick zum Gipfel,
wobei wir dort die von meiner Frau
liebevoll gestrickten Bergwesten vergaßen bzw. liegen ließen.

Unser Fernglas verschwand dann am nächsten Tag.
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Am nächsten Tag dann dieser
Rückblick zum Sonnblick
beim Weiterweg zum Hocharn.
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So sah die Route
meiner Erstbesteigung am 25. Juli 1957 aus.
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Am 7. Juli 1983 steige ich mit meinen Kindern
von Kärnten aus
auf den Hohen Sonnblick.

Niki geht mit mir am Nachmittag
noch auf die Goldbergspitze hinüber !
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  1957-07-25 RAURISER SONNBLICK 3105 m (Hohe Tauern)

mein erster und liebster Dreitausender
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  Mein Vater war schon vorher auf der höchsten ständig besetzten Wetterstation Österreichs, als er beschloß, den Hohen Sonnblick zu meinem ersten Dreitausender zu machen. Es klappte auf Anhieb, obwohl das Wetter problematisch war. Mein Cousin Karl Schwarzott war auch mit dabei. Bei Regen gingen wir am 23. Juli 1957 - ich war zehn Jahre alt - von Böckstein in das Jugendheim am "Nassfeld" (heute: Sportgastein). Am nächsten Tag in vier Stunden nach Kolm Saigurn, wo zu Mittag die Sonne erstmals durchblinzelte und man entlang der Materialseilbahn den Gipfel des Sonnblicks erspähen konnte. Genächtigt haben wir im Alpenvereinsgasthaus "Ammerhof". Am 25. Juli 1957 war schlechtes Wetter. Dennoch ging es - gefährlich spät - los. Mein Vater schrieb in mein Tourenbuch: "Um 1/2 2 Uhr (also um 13 Uhr 30 erst!) in 2 Stunden zum Artlhaus. Auf falscher Markierung weiter zum Knappenhaus und wieder zurück (Ich kann mich erinnern, daß wir dabei sehr mühsam zwei Mal einen großen Wildbach überqueren mußten. Es war sehr nebelig. Praktisch keine Sicht!) und in 2 1/2 Stunden zur Rojacherhütte in steilen Sertpentinen und viel Neuschnee. (Ich erinnere mich noch gut an die legendäre etwas schrullige Hüttewirtin, die uns aber wichtige Rast und Stärkung anbot). Um 1/2 7 Uhr abends reißt die Wolkendecke auf und es bietet sich ein herrlicher Rundblick. Um 7 Uhr abends brechen wir nochmals auf und erreichen über steilen Grat kletternd (für mich sehr anstrengend war ein langes steiles Firnfeld) um 1/4 9 Uhr (das wäre mit der derzeitigen Sommerzeit 21 Uhr 15!) das Zittelhaus am Hohen Sonnblick. Ich schreibe am 26. Juli ins Tourenbuch: "Rasttag am Zittelhaus" Am nächsten Tag - also am 27. Juli - steigen wir über den Zirmsee zum Alten Pocher bzw. nach Heiligenblut ab. 26 Jahre später - am 7. Juli 1983 - stieg ich mit meinen beiden Söhnen Stefan (9 Jahre) und Niki (6 Jahre) vom Alten Pocher wieder zum geliebten Zittelhaus. (Ein PKW-Fahrer vom damailgen Kraftwerkbau nahm uns bis zur damals in Bau befindlichen Staustufe "Zirmsee" - dieses Verbrechen an der Natur wurde damals begangen - mit). Niki geht mit mir am Nachmittag sogar noch auf die nahe Goldbergspitze, auf der wir einen recht schönen Bergkristall finden. (Stefan ruht sich aus). Ich plante und realisierte damals den Plan, auf alle höchsten Gipfel von österreichischen Berggruppen und Gebirgen zu gehen. Und der Sonnblick war für mich damals ein mit den Kindern machbarer Ausgangspunkt, um auf den höchsten Gipfel der Sonnblick-Gruppe zu gelangen. Und so war es auch: Am nächsten Tag überkletterten wir den 3042 m hohen Goldzechkopf und gelangten - bei packenden Rückblicken zum Sonnblick - zum 3254 m hohen Hocharn (also den höchsten Berg der Sonnblick-Gruppe). DER HOHE (oder RAURISER) SONNBLICK ist nicht nur mein erster sondern bleibt auch mein liebster Dreitausender! Begeistert las ich als Kind das Buch "DER SONNBLICK RUFT" von Edmund Bendl. Thema: "Ein kleiner Bub geht allein auf einen Dreitausender". Dieser Gedanke - allein auf einen Dreitausender zu steigen - faszinierte mich ungemein. Und tatsächlich sind es bis heute (Oktober 2003) 312 österreichische Dreitausender, auf die ich alleine gegangen bin.

     
Aufstieg zur Adamekhütte mit Rückblick zu den Gosauseen
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27. Juli 1956 - Hallstättergletscher
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Gosausee mit Dachstein
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1956
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kam ich erstmals
dem Hohen Dachstein
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sehr nahe
und war sehr enttäuscht,
weil mein Vater
beim Gletscher umdrehte.
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Zwei Jahre später :
Über den Gosaugletscher
geht es
- mit Blick zu Bischofsmütze -
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zum Dachstein-Südwand-Blick
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und über den
- damals unversicherten -
Westgrat zum höchsten Punkt.
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Mein Vater träumte schon
seit Jahren
von diesem Gipfel.
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Und auch ich war
sehr zufrieden !
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  1958-07-11 HOHER DACHSTEIN 2996 m - mit 11 Jahren
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  Schon mit 4 1/2 Jahren schaute ich mit großem Staunen von Alt-Aussee oder von der berühmten "Wasnerin" bei Bad Aussee sehnsuchtsvoll zum "Ewigen Eis". Schnee im Sommer - das war 1950 für mich eine unglaubliche "Märchenwelt". Mein Vater träumte immer davon, auf den Dachstein zu gehen. Und 1956 - also mit 9 Jahren - glaubte ich, ihn "so weit zu haben"! Nach einer Auffahrt mit der Seilbahn zum Krippenstein gehen wir über die Gjaidalm zur Simonyhütte und haben diesen herrlichen Blick vor uns. Ich drängte weiter zum Hohen Dachstein hin. Aber am Gletscherrand weigerte sich mein Vater weiterzugehen. Die Spalten waren schon ganz offen und wir hatten - wie immer - weder Steigeisen, Pickel oder Seil. Damals weinte ich (noch) nicht. Bitterlich geweint habe ich drei Jahre später, als wir - wieder ohne irgendeine Ausrüstung - am damals noch "jungfräulichen" Kitzsteinhorn kurz unter dem Gipfel umdrehen mußten. Eine vereiste Querung im Nord-West-Hang - darunter eine brutal gähnend offene Randspalte. Eingesehen habe ich den Rückzug meines Vaters damals (ein wenig). Am 11. Juli 1958 war es dann so weit. Am Vortag vom Gosausee mit dem Vater und seinem Freund Karl Fritz zur Adamekhütte aufgestiegen. In mein Tourenbuch schrieb ich: "Der Leiter des Hauses, der auch unser Führer war, weckte uns um 4 Uhr auf." Ich kann mich an grauslich große offene Spalten erinnern, die wir "natürlich schon angeseilt" umgingen. "Um 1/2 7 Uhr kam Nebel. Nach einer halben Stunde erreichten wir über den Westgrat den Gipfel des Hohen Dachstein 3004 m. Aufsteig: 2 1/2 Stunden. Nach 15 Minuten lüftete sich der Nebel und man hatte eine schöne Aussicht auf Simonyhütte, Krippenstein, Totes Gebirge und Hohen Priel." Damals war der Dachstein für einige Jahre ein "Dreitausender" - also ein problematischer Werbegag. Der Bergführer war von meiner - bis auf eine Stelle - furchtlosen Kletterei so begeistert (der Westgrat war damals weder versichert noch markiert), daß er mich am Gipfel fragte, ob ich mit ihm nicht einmal die Dachstein-Südwand klettern will. Ein Blick in Tiefe und mir war klar: "Nie in meinem Leben möchte ich so etwas erleben (müssen)!" Daß ich dann weit schwerere Klettertouren machen würde, hätte ich damals nie für möglich gehalten. Jahrelang träumte ich immer wieder: "Ich fliege im freien Fall die Dachstein-Südwand" hinunter. (Ich kannte sie natürlich von Wanderungen zur Austria- und zur Dachsteinsüdwandhütte her schon lange). Und wußte: "Du mußt nur die Augen schließen: dann landest Du ganz weich! - Und so war es auch immer! Der Dachstein hat für mich noch eine weitere tiefe Bedeutung: Er war mein großer Trost nach dem Tod meiner Mutter, die nach langem Leiden an Krebs 1962 verstarb: Am Tag nach dem Begräbnis fuhr mein Vater mit mir zur Ramsauer Dachsteinseilbahn. Auffahrt zum Hunerkogel. Bis zur Dachsteinwarte ging mein Vater noch mit. Damals hatten wir immer noch kein Sei, und so kletterte ich allein " mein Vater passte - über den Ostgrat auf den Gipfel. Es herrschte übrigens traumhaftes Wetter. In der Fall-Linie stieg ich direkt (damals gab es noch keine Versicherungen am Fels) zum Hallstätter Gletscher hinab. Einige kurze "Rutscher" machten mir damals überhaupt nichts aus. Heute (Herbst 2003) würde ich vor Angst in die Hose machen. PS: Wieviel Trost und Lebensfreude kann man aus der Bergwelt gewinnen! Und da möchte ich doch zuletzt Reinhold Messner zitieren (ein Ausspruch aus seiner unproblematischen Zeit) : WENN DIR DAS LEBEN UNERTRÄGLICH ODER LEER VORKOMMT, DANN BRAUCHST DU NUR EINIGE METER EINEN BERG EMPORZUSTEIGEN, UND JEDER GEDANKE, DIESES LEBEN WEGZUSCHMEISSEN, WIRD VERLÖSCHEN, DENN DAS LEBEN HAT WIEDER EINEN SINN!

     
GRIMMING
MIT SCHLOSS TRAUTENFELS
Links vom Gipfel
zieht der Südost-Grat herab,
rechts ist das Multereck.
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  1963-07-08 GRIMMING 2351 m - mit 15 Jahren

anschließend mit dem Rad noch
zum Zeller See gefahren
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  Schon in frühester Kindheit fuhren meine Eltern mit mir nach Grundlsee (genau gesagt: Gallhof 48) auf Urlaub. Und immer, wenn wir in die Nähe von Selzthal kamen und dann westwärts gegen Liezen fuhren (damals noch auf der alten Bundesstraße) wurde ich aufgeregt. Denn nach einer Kurve sah man endlich den imposanten Grimming - diesen Giganten, der eine zeitlang wegen seiner isolierten Position für den höchsten Berg der Steiermark gehalten wurde. Und unbeschreiblich war meine Enttäuschung, wenn sich der Grimming in Wolken verhüllte. Ich hörte viele bedrohliche Geschichten über diesen Berg, kannte viele Bergunfälle und las natürlich auch "Das Grimmingtor". Abenteurlich war damals auch die steinschlaggefährdete Sandstraße von Stainach nach Mitterndorf. Ein Riesenfelsklotz blieb z. B. nur Zentimeter vor einem Wohnhaus stehen! 1963 - also mit 15 Jahren - war es dann so weit, daß eine Besteigung ins Auge gefasst wurde. Mit meinem Freund Otto Brusatti radelte ich von Baden aus mit vollem Gepäck (Zelt, Kocher etc.) und zahllosen Reifenpannen auf den damaligen Sandstraßen über Mariazell, Wildalpen, durch`s Gesäuse (einmal sauste ein Stein gefährlich nahe neben uns herunter - damals trug man noch keinen Helm) bis Stainach. Dort holten wir einen Schlüssel für die eigentlich sehr tief liegende Grimminghütte ab. In 20 Minuten waren wir oben. Im Eiskasten der Küche fanden wir scheinbar Brauchbares. Aber das sollte Otto zum Verhängnis werden: die Milch war nämlich nicht mehr in Ordnung. Das bedeutete, daß Otto am nächsten Tag schon nach wenigen Metern in die Latschen flüchten mußte, und da nicht mehr herauskam. Sein Magen war total verdorben: "Rapido Gakolo Furioso et Permanento"! Ich konnte und wollte nicht länger warten. Es war klar: ich möchte auf den Gipfel. Also gehe ich alleine. Am Südostgrad, den man vom Kar nach links hinaussteigend erreicht, kann ich mich noch erinnern, daß einige Grasbüschel ganz wichtig für`s Anhalten waren. Ausgesetzt war es sowieso. Aber recht rasch - um 7 Uhr 30 - war ich am Gipfel und kann mich noch an die dortige Biwack-Schachtel erinnern. Mein Blick schweifte vor allem in Richtung Dachstein. Und ich glaube auch den Untersberg erkannt zu haben. Von Westen her flog aber eine dunkle Wolke in einem "affenartigen" Tempo zum Grimming heran, klatsche unten auf, zog herauf zu mir, und im Nu war ich im ärgsten Unwetter meines bisherigen Lebens. Im Biwack auszuharren kam nicht in Frage: Otto könnte sich Sorgen um mich machen, wenn ich nicht auftauche. Also ging ich in Sturm und Regen auf dem ausgesetzten (?) Ostgrad in Richtung und betete unausgesetzt. Ich hatte nämlich große Angst, die markierte Abzweigung dort zur Grimminghütte zurück zu verpassen. Ich übersah die Markierung trotz der Düsternis am Multereck zum Glück nicht. Es folgten ein inniges Dankgebet und ein problemloser Abstieg. In der Grimminghütte wartete Otto auf mich - es war ca. 10 Uhr. Bei Regen stiegen wir ab, bei Regen fuhren wir mit dem Rad zurück nach Steinach, den Hüttenschlüssel zurück zu geben. Unser Plan war, bis Bischofshofen zu radeln, um dort am Campingplatz zu übernachten. In Bischofshofen - es regnete immer noch - waren wir aber einfach schon zu müde, das nasse Zelt aufzustellen. So radelten wir am selben Tag noch weiter bis Thumersbach am Zeller See, wo die Eltern von Otto ein Haus haben. Bei Lend sah ich auf der gegenüberliegenden Seite eine Quellfassung und radelte ohne zu schauen auf die andere Seite. Ein LKW konnte gerade noch rechtzeitig abbremsen. (Ohne Schutzengel geht nichts!) Die Eierspeise, die uns Ottos Mutter dann am Abend (ca. 21 Uhr) in Thumersbach zubereitete, war die zweitbeste meines bisherigen Lebens!

     
TrennlinieVolksbank Baden   Trennlinie